Mutter Kind Bindung

Alle Menschen haben von Geburt an das überlebenswichtige Grundbedürfnis 

nach Bindung. Bindung bedeutet ein unsichtbares emotionales Band zu ganz

bestimmten Personen, die nicht beliebig austauschbar sind. Meistens nimmt

ein Elternteil diese Rolle ein. In unserer Einrichtung betreuen wir Mütter und

deren Kinder. Daher sprechen wir in den folgenden Ausführungen von Müttern

als Hauptbindungspersonen.

Eine sichere Bindung gilt als Schutzfaktor und als beste Voraussetzung zur

Nutzung vielfältiger Entwicklungsmöglichkeiten. Erlebt ein Kind Gefühle wie beispielsweise Angst in einem Ausmaß, welche es überfordern und welche es daher nicht mehr selbstständig regulieren kann, sucht es Nähe, Sicherheit und Unterstützung bei seiner Mutter. Diese fungiert als eine Art sicherer Hafen, den das Kind für die Exploration seiner Umwelt braucht: fühlt sich das Kind sicher genug, verlässt es die Mutter, um die Welt zu erkunden, und nutzt sie gleichzeitig als sichere Basis, welche sie jederzeit aufsuchen kann. Je jünger ein Kind ist, desto intensiver braucht es diese Nähe, Geborgenheit und Regulierung durch seine Mutter. Diese wiederum muss bereit sein, sich emotional auf die Bindungssignale ihres Kindes einzulassen und es angemessen zu versorgen.

Damit dieser Kreislauf funktionieren kann, muss die Bindungsperson in der Lage sein, dem Kind und seinen Bedürfnissen stets „größer, stärker, weiser und gütig“(Powell et all, 2015) gegenüberzustehen. 

Auch der Grad der Feinfühligkeit, mit dem die Mutter auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht, beeinflusst die Qualität der Bindung. Nimmt eine Mutter die kindlichen Bedürfnisse wahr, interpretiert diese korrekt und reagiert prompt, verlässlich und angemessen, so wird sich das positiv auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Dafür sollte sie über Einfühlungs-vermögen verfügen und die Perspektive ihres Kindes einnehmen können. In Krisen sollte die Mutter in der Lage sein, die „Führung“ zu übernehmen und so dem Kind die nötige Sicherheit zu vermitteln.

Aufgrund von negativen Erziehungserfahrungen in der eigenen Kindheit, Trauma, Depression, Sucht, anderen psychischen Erkrankungen, Stress, Konflikten oder belastenden aktuellen Lebenssituationen fällt es unseren Klientinnen häufig schwer, die Rolle zuverlässig feinfühliger, Sicherheit spendender Bindungspersonen einzunehmen. Es ist ein zentrales Anliegen unserer Einrichtung, die Klientinnen diesbezüglich zu unterstützen, denn Bindung ist kein Selbstzweck, sondern bildet die Grundlage für die Meisterung von Überforderungen und für den Umgang mit negativen Gefühlen angesichts der Bedrohungen, die regelhaft, aber unvorhersehbar im Leben passieren (Grossmann & Grossmann, 2012).

Glücklicherweise ist das Bindungssystem nicht starr und statisch! Als Einrichtung mit bindungsorientiertem Konzept gehen wir davon aus, dass entspanntes Lernen und Reflexion erst möglich werden, wenn unsere Klientinnen sich sicher fühlen. Deshalb sorgen wir für eine sichere und entwicklungsfördernde Umgebung, die geprägt ist von Empathie, Wertschätzung, Transparenz und Authentizität. 

So sollen im Einzel- oder Gruppensetting durch feinfühlige Interaktionen und Begleitung durch unsere Mitarbeiterinnen neue positive Beziehungserfahrungen möglich werden, von denen sowohl die Mutter als auch ihr Kind profitieren. Daher erfahren die Frauen im täglichen Handeln und im Austausch mit ihren Bezugspersonen so viel Entlastung wie notwendig, liebevolle Unterstützung und einen gemeinsamen Blick auf sich selbst und ihr(e) Kind(er). Auch im Rahmen der wöchentlichen Beratung wird in einer persönlichen Reflexion die Feinfühligkeit durch unterschiedliche pädagogische Ansätze (z. B. die Gefühlsarbeit durch Gefühlskarten) erhöht und der Blick auf die Beziehung zum Kind geschärft. Die mütterliche Beobachtungsgabe und Reflexionsfähigkeit werden praxisnah geschult, Ängste und Unsicherheit mehr und mehr abgebaut, Selbstvertrauen aufgebaut und die Mutter in der Sicherheit in ihrer Mutterrolle gestärkt.

Wird es Zeit für den Auszug aus unserem Schlösschen, sollen unsere Klientinnen in der Lage sein, im Alltag und auch in herausfordernden Situationen auf die Bedürfnisse ihrer Kinder einzugehen um gemeinsam mehr Stabilität, Freude und Entspannung zusammen erleben können.

 

Unterstützung des Fachpersonals

Unser Konzept entwickelt sich mit den Herausforderungen, denen wir alltäglich gegenüberstehen. Für die Aufrechterhaltung, Reflexion und Verbesserung unserer Arbeit begleitet uns das Team von Plan B³ (www.plan-b3.de). In Fach-Modulen und regelmäßiger supervisorischer Beratung erhält unser pädagogisches Personal Unterstützung und Theorie- und Praxiswissen zu den Themen Bindung, Beziehung und Trauma, um eine situationsgerechte und professionelle Handlungsfähigkeit im Alltag zu gewährleisten und mehr Verständnis und Handlungsoptionen für Verhalten, Prozesse und Reaktionen aller Beteiligten zu entwickeln.

 

Quellen

Grossmann, K. & Grossmann, K.E. (2012). Bindungen – das Gefüge psychischer Sicherheit.Stuttgart: Klett-Cotta.

Powell, B., Cooper, G., Hoffman, K., Marvin, B. (2015). Der Kreis der Sicherheit. Die klinische Nutzung der Bindungstheorie.Lichtenau, Westfalen: Probst.

»Eine Mutter ist der einzige Mensch auf der Welt,

der Dich schon liebt, bevor er Dich kennt. «

(unbekannt)

Das Schlösschen
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